9. März 2021

Viele Faktoren haben einen Einfluss auf den Inzidenzwert

7-Tage-Inzidenz im Lahn-Dill-Kreis konstant erhöht und relativ stabil: Wie kommt das?

Wetzlar/Herborn/Dillenburg (ldk). Die Britische Variante, die Kontaktpersonennachverfolgung und die Ausbreitung des Corona-Virus im Lahn-Dill-Kreis – all diese Faktoren sind eng miteinander verzahnt, wenn es um die Frage geht, wie die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis zustande kommt?

Seitdem die 7-Tage-Inzidenz im Lahn-Dill-Kreis im Oktober des vergangenen Jahres die Marke von Einhundert überschritten hat, hält sich der Wert bis heute verhältnismäßig stabil in diesem Bereich. So können zwar zwischenzeitliche Schwankungen im Bereich zwischen 80 und knapp 150 verzeichnet werden, ein konstant niedriger Wert in Richtung 50 oder sogar 35 – wie es die Vorgabewerte des Landes Hessen für Lockerungen der Corona-Maßnahmen sind – wurde allerdings nie erreicht in den vergangenen Monaten. Woran liegt das?

Gesundheitsamt arbeitet gewissenhaft

„Unser Gesundheitsamt bewältigt seine vielseitigen Aufgaben mehr als gewissenhaft. Das Augenmerk liegt auf der Nachverfolgung der Kontaktpersonen, um Infektionsketten zu unterbrechen. Insbesondere das Kontaktieren der positiv getesteten Menschen in unserem Landkreis – der sogenannten Indexfälle – wird akribisch und zeitnah an sieben Tagen in der Woche von unseren Kolleginnen und Kollegen betrieben. Es ist sichergestellt. Aufgrund der aktuell bundesweit wieder steigenden Fallzahlen und zunehmenden Lockerungen, kann die Nachverfolgung der Kontaktpersonen dieser Indexfälle nicht zu hundert Prozent gewährleistet werden. Dennoch wird auch hier auf einem hohen Niveau und priorisiert vorgegangen“, erklärt Landrat Wolfgang Schuster. Seit dem Ausbruch des Corona-Virus im Lahn-Dill-Kreis vor über einem Jahr wurde das Personal des Gesundheitsamtes sukzessive erhöht – zu den Hochzeiten der Pandemie während der ersten Welle im Frühjahr 2020 von 60 Mitarbeitenden auf über 90. Das stringente Vorgehen des Kreis-Gesundheitsamtes ist sehr wahrscheinlich ein Faktor, der Einfluss auf den Inzidenzwert hat. Zur Erinnerung: Die 7-Tage-Inzidenz bildet die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner der letzten sieben Tage ab.

Die Virus-Mutation kommt – die Infektionszahlen steigen

Dass die Infektionszahlen im Lahn-Dill-Kreis konstant erhöht sind und trotz aller Einschränkungen nicht dauerhaft sinken, ist mit großer Wahrscheinlichkeit insbesondere in der jüngsten Zeit – in den vergangenen vier bis sechs Wochen – zusätzlich der vermehrten Ausbreitung der britischen Virus-Variante von SARS-CoV-2 zuzuordnen. Das Virus hat sich nachgewiesenermaßen flächendeckend im Kreisgebiet verteilt. Sie gilt als wesentlich ansteckungsfähiger. Das zeigen vor allem die Kontaktpersonennachverfolgungen des Gesundheitsamtes: Hat sich das Corona-Virus während der ersten Welle, zum Beispiel innerhalb einer zusammenlebenden Familie weniger bis verzögert vom Infizierten auf seine Familienmitglieder übertragen, so scheint dies für die britische Variante hürdenlos – innerhalb kürzester Zeit infizieren sich nahezu ausnahmslos alle Haushaltsangehörigen. „Das ist eine besondere Kehrtwende, die wir festgestellt haben und die uns zeigt, wie leicht sich die Variante überträgt. Wir erleben das häufig“, sagt Kreis-Gesundheitsdezernent Stephan Aurand. Die Beobachtungen haben aber auch gezeigt, dass die Krankheitsverkäufe nicht schwerer geworden sind. Im Gegenteil: Viele Verläufe sind milder bis symptomlos geworden. Die Verteilung ist diffus und flächendeckend.

Kinder häufiger betroffen als im vergangenen Herbst

Das derzeitige Infektionsgeschehen zeigt außerdem, dass sich momentan anteilig mehr Kinder mit dem Corona-Virus infizieren. Es lässt sich vermuten, dass auch diese Erkenntnis auf Mutationen des Virus zurückzuführen ist. Machte der Anteil der bis Neunjährigen bisher rund 5 Prozent aller Neuinfektionen aus, so sind es mittlerweile 10 Prozent. Alle anderen Altersgruppen bleiben von derartigen Veränderungen nahezu unberührt. Erfreulich ist, dass Kinder asymptomatische oder milde Verläufe zeigen.

Schulen sind betroffen, aber keine Hotspots

Mit Stand von heute, Dienstag, 9. März 2021, sind in der Corona-Statistik des Lahn-Dill-Kreises 23 Schulen aufgelistet. Sie gelten als betroffen. Allerdings gilt es zu differenzieren. Die meisten dieser Schulen haben einen Einzelfall oder wenige, unzusammenhängende Corona-Fälle. Das bedeutet, dass diese Schulen keine Hotspots sind, in denen sich das Virus ausbreitet. Die Nachverfolgungen der Fälle durch das Gesundheitsamt haben ergeben, dass die Ansteckungen sehr häufig im privaten und familiären Umfeld stattgefunden haben und dass die Fälle von außen in die Schulen eingetragen wurden. Ganz vereinzelt konnte an Schulen im Landkreis festgestellt werden, dass es eine interne Ausbreitung gab.

Trotz der stabil erhöhten Inzidenz hat sich der Landkreis in Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt dafür ausgesprochen, am Präsenzunterricht festzuhalten und den Schülerinnen und Schülern eine Beschulung vor Ort zu ermöglichen. Das Infektionsgeschehen wird genau beobachtet. Sollte es nötig sein, kann in Einzelfällen schnell entschieden und rasch reagiert werden. Die mobilen Abstreich-Teams der Bundeswehr können hierzu eingesetzt werden und, je nach Kontaktsituation, klassen- oder kursweise abstreichen.

Published On: 09.03.2021|Categories: Pressemitteilung|

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