Wie geht es nach den Sommerferien in den Schulen des Lahn-Dill-Kreises weiter?

Die allgemeine Frage, die sich stellt, ist, wie im Zuge der Corona-Pandemie ein gutes Lernen und Lehren in den Schulen im Landkreis erreicht werden kann?

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr ist der überwiegende Teil des Lehrpersonals geimpft. Außerdem kann und wird getestet werden.

Aber auch baulich und investiv wurde gearbeitet.

Der Lahn-Dill-Kreis ist als verantwortlicher Schulträger für die bauliche Instandhaltung der Schulen im Landkreis zuständig. Er setzt in den 92 Schulen an 99 Standorten im Lahn-Dill-Kreis bezüglich der Optimierung der Luftqualität sowie der Beseitigung von Aerosolen auf das von Experten empfohlene Prinzip des Stoßlüftens: Frische Luft, wenig Feuchtigkeit und eine regulierte Temperatur. Regelmäßiges Stoßlüften reduziert nicht nur Viren, sondern auch Gerüche, Feinstaub, Sporen, Bakterien, Schadstoffe jeglicher Art sowie Co2. Im Laufe des vergangenen Jahres konnte die Schulbauabteilung des Lahn-Dill-Kreises die nötigen baulichen Voraussetzungen schaffen, um das Lüftungskonzept umzusetzen. Zwischenzeitlich wurden über 2 Mio. Euro in Hygienemaßnahmen sowie die Ertüchtigung von Lüftungsmöglichkeiten (Fenster und Türen) investiert. Davon 165.000 Euro für Co2-Ampeln, soweit diese von den Schulen gewünscht wurden.

Der Lahn-Dill-Kreis verfügt über 2557 Unterrichtsräume mit Fenstern, die sich öffnen lassen.

Davon sind 796 Unterrichtsräume mit stationären Lüftungsanlagen ausgestattet. Eine Reihe innenliegender Unterrichtsräume wurde mit zusätzlichen stationären Lüftungsanlagen nachgerüstet.

Im Rahmen der Hygienemaßnahmen und des Belüftungskonzeptes sollen mobile Lüfter lediglich in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen. Der Landkreis orientiert sich dabei an die Empfehlungen des Bundesumweltamtes, des RKI und des Gesundheitsamts.

„Und wir lüften, auch wenn das die Maßnahme ist, die sich am meisten ins lächerliche ziehen lässt“, sagt Kultusminister Lorz am 08. Juli 2021 im Hessischen Landtag.

Die Entscheidung, mobile Luftreiniger ausschließlich in Ausnahmefällen anzuschaffen, basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Studien und fachlichen Bewertungen. Mobile Lüfter nehmen die Luft aus dem Raum, filtern sie und/oder inaktivieren Viren durch Energie (UV-C, Plasma, o.a.). Danach schicken diese bearbeitete Luft zurück in den Raum.

Mobile Geräte fügen keine Frischluft von außen zu! Sie ersetzen also das regelmäßige Lüften nicht, auch nicht teilweise.

Außerdem können sie dazu führen, dass andere wichtige Hygienemaßnahmen (Maske, Abstand, Lüften) vernachlässigt werden.

Eine besondere Rolle spielt die Empfehlung der Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) am Umweltbundesamt (UBA). Demnach können mobile Geräte zwar einen Beitrag dazu leisten, kontaminierte Raumluft – je nach Filtergüte – stofflich zu entlasten, sie tragen aber nur begrenzt zur Verbesserung der Raumluftgüte bei, da sie den Frischluftanteil in der Raumluft nicht erhöhen. Viele Menschen hoffen in der Corona-Pandemie auf technische Lösungen, erklärte Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes. Luftreiniger könnten dazu verführen, sich in einer falschen Sicherheit zu wiegen. „Und so übersimpel und steinzeitlich diese Lösung für manchen klingen mag: Lüften funktioniert nun mal am besten!“ Laut UBA helfen mobile Luftfilter zwar gegen Viren, allerdings nur, wenn diese von Fachleuten aufgestellt und geprüft werden. Von einem entfernt davon sitzenden infizierten Schüler oder Lehrer abgegebene Viruspartikel gelangen unter Umständen erst nach längerer Zeitdauer zum Gerät. Mobile Luftreiniger hätten demnach den Nachteil, dass sie zwar Viren herausfiltern oder mit UV-Licht deaktivieren, aber weder Kohlendioxid noch Schimmel oder Feuchtigkeit entfernen. Das bedeute, sie verbessern nicht die allgemeine Luftqualität und ersetzen somit auch nicht das Lüften.

Link: RichtigLüften_UBA_A3 (umweltbundesamt.de)

Die Hessische Landesregierung erachtet das regelmäßige, sachgerechte Lüften von Innenräumen durch Fensteröffnung unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Umweltbundesamtes als das erste Mittel der Wahl, um für einen ausreichenden Luftaustausch zu sorgen und damit die Infektionsgefahr zu minimieren. Die natürliche Frischluftzufuhr durch regelmäßiges Stoßlüften mittels Öffnung der Fenster bleibt auch in der kalten Jahreszeit erstes Mittel der Wahl. Durch Stoßlüften lassen sich angemessene Raumtemperaturen grundsätzlich gewährleisten. Je geringer die Außentemperatur ist, desto effektiver und schneller erfolgt der Luftaustausch.

Kultusminister Alexander Lorz erklärte  am 08.07.2021 im Hessischen Landtag:

„Alle Hygieniker dieser Republik sagen uns, dass richtiges Lüften unverzichtbar ist, wenn man die Innenräume sicher machen will und zwar egal, welche Technik sie da sonst reinstellen.“

Laut einer Untersuchung durch Wissenschaftler der Technischen Hochschule Mittelhessen ist das Stoßlüften in Schulen um ein Vielfaches wirksamer als der Einsatz von Luftfiltergeräten. Zwei Professoren der  Hochschule  hatten in einem nicht genutzten Klassenzimmer einer Wiesbadener Schule die Wirkung auf zuvor freigesetzte Aerosole ermittelt, die per Ventilator im Raum verteilt wurden. „Als wesentliches Resultat zeigte sich, dass die Stoßöffnung aller Fenster über drei Minuten bei Außentemperaturen von 7 bis 11°C die eingebrachte Konzen­tration an Aerosolen bis zu 99,8 % senkte“, teilte die THM mit. Mit vier mobilen Luftfiltergeräten in dem Raum sei nach etwa 30 Minuten eine um 90 % verringerte Konzentration gemessen worden. Die Wissenschaftler verweisen zudem auf den Lärm beim Betrieb der Geräte und die hohen Kosten bei der Anschaffung.

Die Kommission für Innenraumlufthygiene (IRK) am Umweltbundesamt (UBA) mit 23 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte erst kürzlich wieder betont, dass mobile Luftreiniger kein Ersatz für ausreichendes Lüften seien. Sie seien nur dort eine sinnvolle Ergänzung, wo Fenster nicht ausreichend geöffnet werden könnten und auch keine einfachen Zu- und Abluftsysteme infrage kämen. Luftreiniger mit speziellen Filtern sammeln Viruspartikel aus der hindurchströmenden Luft, andere Geräte sollen Erreger etwa mittels UV-Licht abtöten.

Raumluftreiniger bedürfen eines sachgerechten Einsatzes unter Berücksichtigung herstellerspezifischer Angaben, wie z. B. Luftdurchsatz, Schallleistung, Abscheide-/ Inaktivierungsgrad für Viren/Virenaerosole, und verschiedener Randbedingungen.

Dazu gehören insbesondere eine geeignete Bemessung des Luftvolumenstroms im Verhältnis zum Raumvolumen und eine günstige Positionierung des Gerätes im Raum, um unerwünschte Effekte wie Zugluft oder Kurzschlussströmung am Gerät zu vermeiden. Außerdem sind ggf. thermische oder stoffliche Lasten, die durch diese Geräte erzeugt werden können, zu berücksichtigen. Auch die konkrete Raumnutzung ist hierbei von Bedeutung, gekennzeichnet u. a. durch die Belegungsdichte und -dauer, die Anordnung der Personen im Raum und ihre Tätigkeiten (z. B. erhöhte körperliche Belastung/Aktivitäten mit erhöhtem Aerosolausstoß). Insbesondere in Räumen mit hoher Belegungsdichte, beispielsweise in Schulen, kann der Einsatz solcher Geräte die notwendigen Lüftungsmaßnahmen zum Austausch von Raumluft durch Außenluft nicht ersetzen, da Luftreiniger kein Kohlendioxid abführen und somit nicht zur Senkung der Co2-Konzentration beitragen.

Generell ist das Risiko der Übertragung von SARS-CoV-2 im Nahfeld und bei längerem und engerem Kontakt am höchsten. Bei längerem Aufenthalt in z.B. kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen, in denen sich viele Personen aufhalten, kann eine Übertragung durch infektiöse, kleine luftgetragene Partikel (Aerosole) auch über eine größere Distanz als 1,5 m erfolgen. Solche Aerosole können am besten durch regelmäßiges Lüften bzw. bei raumlufttechnischen Anlagen (nicht mobile Luftfilter!) durch einen Austausch der Raumluft unter Zufuhr von Frischluft (oder durch eine entsprechende Filtrierung) in Innenräumen reduziert bzw. entfernt werden.

Gegenwärtig werden als mögliche Maßnahme unterschiedlichste (mobile) Geräte angeboten, welche eine Reinigung bzw. eine Desinfektion der Raumluft erwirken sollen. Durch den Einsatz dieser Geräte soll eine Übertragung von SARS-CoV-2 in Innenräumen verhindert werden. In diesem Zusammenhang ist es jedoch wichtig zu betonen, dass selbst eine effiziente Reduzierung von Aerosolen in der Raumluft das Risiko einer Übertragung im Nahfeld, z. B. bei Face-to-Face-Kontakt bei einem Abstand von weniger als 1,5 m nicht effektiv verringern kann. Darüber hinaus sei laut RKI einige wichtige Fragen noch ungeklärt, wie z. B. die tatsächliche Wirksamkeit bei der praktischen Anwendung, die gesundheitliche Unbedenklichkeit der eingesetzten Substanzen bzw. Verfahren oder die ausreichende Verteilung eines desinfizierenden Agens bzw. der gefilterten/desinfizierten Luft im gesamten Raum. Auch das Risiko einer indirekten Übertragung über (durch Tröpfchen) kontaminierte Oberflächen kann durch den Einsatz solcher Geräte nicht reduziert werden. Daher sei es wichtig, darauf zu achten, dass der Einsatz solcher Geräte nicht zu einem Gefühl der falschen Sicherheit führe. Dass Luftfilter nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen sollen ist auch eine mit der hessischen Landesregierung abgestimmte Empfehlung des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, des Hessischen Städtetages und des Hessischen Landkreistages, der für Lehrergesundheit Beauftragten,  der Medical Airport Service GmbH (Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit) sowie des Gesundheitsamtes des Lahn-Dill Kreises.

Die Experten des Instituts für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung hatten für die Studie zum Thema Luftreinigung in Räumen ein halbes Jahr lang an zehn Stuttgarter Schulen die Wirkung von Filtern gemessen.

Sie warnen nun, die Geräte seien kein Ersatz für das Stoßlüften in Pausen „Beim Einsatz von Luftreinigungsgeräten sollte generell beachtet werden, dass diese keine Alternative zu einem Außenluftwechsel darstellen, sondern lediglich als Unterstützung zur Partikel- und potenziellen Virenreduktion im Raum eingesetzt werden sollten.“ Zusammenfassend stellen die Fachleute fest, der Einsatz von Luftreinigungsgeräten könne nicht die anderen Schutzmaßnahmen wie das Maskentragen oder Testen zur Eindämmung der Infektionsausbreitung ersetzen.